Geschichte

Geschichte


Von: Hampus Östh Gustavsson


Warum bekam dieser Platz den Namen Kongsbacken; weit entfernt von der Hauptstadt, mitten in den småländischen Wäldern? Um die richtige Antwort zu finden, müssen wir weit zurück in die schwedische Historie abtauchen.


In älteren Geschichtsbeschreibungen wurde von Feuersteinmesser gesprochen, die zwischen Röhälla und Kongsbacken gefunden wurden. Es wurde spekuliert, dass die Funde auf ein Grenzgebiet sich bekämpfenden Völkern hinweisen könnten. Diese Theorie ist schwer zu belegen, aber deutet zumindest darauf hin, dass in dieser Gegend Menschen gelebt haben müssen. Die Theorie wird von der Tatsache unterstützt, dass Holaveden eine natürliche Grenze zwischen Östegötland und Småland darstellte. Das Waldgebiet hat daher eine wichtige Rolle in der schwedischen Geographie und Geschichte gespielt.


Ein Grenzgebiet wird oft Treffpunkt vieler Menschen; gleichzeitig vermied das Volk aber im Mittelalter Holaveden zu durchqueren. In dem zerklüfteten Gelände und dichtem Wald, war es sehr schwer die Strecke zu bewältigen. Ein bekannter Platz ist Helvetes portar- Die Höllen Tore, nördlich von Tenbäcken. Das steinige Gelände war ein perfekter Platz für Straßenräuber. Trotz aller Gefahren, reiste man durch Holaveden auf dem westlichen, bzw. östlichen Holavedsweg. Der Östliche führte direkt an dem Patz vorbei, wo heute Kongsbacken liegt. Um 1740 reiste Carl von Linné durch Holaveden und passierte ebenfalls Kongsbacken. Wenig verwunderswert, dass er sich über das unwegige Gelände beklagte, welches seine Reise als sehr anstrengend gestaltete.


Beide Holavedswege verbindet man geschichtlich mit der schwedischen Monarchie. Im Mittelalter, als Schweden noch eine Wahl-Monarchie hatte, reisten die neugewählten Könige durch Svealand und Nord Götaland, um ihr Amt von den entsprechenden Vorsitzenden bestätigen zu lassen. Diese Reisen, welche „Eriksgator“ genannt werden, wurden aber auch teilweise nach Abschaffung der Wahl-Monarchie durchgeführt. Einige Geschichten berichten, dass die Übergabe des Königs von dem östgötischen Volk an das småländische Volk bei Kongsbacken stattfinden sollte. Leider findet man dafür aber keine Belege. Wahrscheinlicher ist, dass die meisten „Eriksgator“ auf dem westlichen Holavedsweg stattgefunden haben und somit die Übergabe nördlich von Gränna war.


Aus den letzten Jahrhunderten gibt es mehr Fakten über königliche Reisen auf dem östlichen Holavedsweg. Gustav III reiste dort um 1770 und Karl XIV Johan im Jahre 1819.Exakte Angaben gibt es über Karl Johans Gemahlin, Königin Desideria, die am 12 September 1848 Kongsbacken passierte. Für ihre Sicherheit war Nils Fredik Ekwall, der dem ländlichen Gerichtsvollzieher unterstellt war, verantwortlich. Diese Reise bedurfte einer sehr großen Organisation, vor allem, was den regelmäßigen Austausch der Pferde betraf. Kongsbacken war genauso ein Ort, an dem die „Königskutscher“ ihre Pferde tauschten, vermutlich auf dem Feld zwischen Kongsbacken und Furulid. Mit großer Wahrscheinlichkeit gründet sich der Name Kongsbacken genau auf den Pferdetausch der Königskutscher. Andere Theorien sagen, dass der Name von einer Absteckung eines Grundstücks vom Kronland zeugt. Ortsnamen mit einer königlichen Beziehung sind in dieser Gegend nicht ungewöhnlich. Unter anderem findet man diese in den Ortsnamen Kungsgölen, Kungshult und Kungshatt. Somit ist der Name Kongsbacken nicht verwunderlich.


Bereits im Jahre 1791 wurde der Name Kongsbacken genannt, doch 1796 kann man Geschichtsaufzeichnungen entnehmen, dass vor einigen Jahren hier ein Haus errichtet wurde und mit Kohlanbau begonnen wurde. Der Kulturhistoriker Sigurd Pira schoss daraus, dass Kongsbacken und die Gastwirtschaft, die es lange an diesem Ort gab, irgendwann zur Zeit Gutav III(1771-1792), vermutlich von Erik Lundberg gegründet wurde. Sigurd Piras glaubte, dass dieses vielleicht in Zusammenhang mit der Verstaatlichung der Brandweinproduktion stand. Zu dieser Zeit wurden mehrere Kronbrännereien im Lande gegründet.


Aber wie verlief die Reise der Königin Desidera eigentlich? Die Königin erreichte Kongsbacken gegen 16:00Uhr, wo schon 37 Pferde zum Austausch warteten. Die Pferde wurden von den Höfen der gesamten Umgebung nach Kongsbacken gebracht. Dieses war ein schwerer Verlust für die umliegenden Bauern. Eine Anekdote Piras besagt, dass ein Bauer, der mit seinem Pferd in Kongsbacken auf den Austausch wartete, so wütend und betrunken war(wahrscheinlich nach Verköstigung einiger Getränke aus Kongsbackens Gaststätte), dass er eine Salve von bösartigen Schimpfwörtern über die Königin abfeuerte. Dieses wurde natürlich dem Abgesandten des Landesbevollmächtigens berichtet, glücklicherweise blieb dieses aber ohne Folgen für den Bauern.


Der Pferdewechsel verlief sehr schnell und bereits eine Stunde später kam die Königin mit ihrem Gefolge nach Hesters Schenke, wo sie mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Mahl einnahmen. Kongsbacken war geographisch gesehen perfekt als Zwischenstation zwischen Säthälla und Hesters Schenke. Laut der Verordnung der Beförderungsorganisation um 1700, mussten sich solche Schenken  in einer Entfernung von 20 km befinden.


Kongsbacken hatte also eine etwas andere Funktion als die oben genannten Schenken. Im Kirchenbuch 1820 wurde Kongsbacken als Gaststätte und 10 Jahre später als Restaurant bezeichnet. Laut dem Heimatsvereinhistoriker Elis Kogèn, zwar Kongsbacken eine Gaststätte bis ca. 1850, später als Rastplatz oder Restaurant. Kongsbacken war ebenfalls bekannt für sein selbstgebrautes Bier. Einige Besitzer Kongsbackens betrieben neben ihrer Landwirtschaft eine sogenannte Malzerei, in der Korn zu Malz umgewandelt wurde. Vielleicht konnten diese dann auf dem Wochenmarkt   in Tranås/Lövstad verkauft werden. Dieser Markt wurde 1860 von Säby nach Tranås verlegt. Tranås gewann immer mehr an Bedeutung, doch die Wichtigkeit des Weges der Kongsbacken passierte nahm immer mehr ab. Dieses beruhte auf den Bau der östlichen Bahnlinie, die Tranås passierte. Somit war kein Pferdewechsel mehr erforderlich und die Königin konnte ihre Reisen mit der Bahn bestreiten.


All dieses hinderte aber nicht Reisende daran, Kongsbacken auch im 20.Jahrhundert zu besuchen, da dieses inzwischen als Kranken- bzw. Erholungsheim umgebaut worden war. Zur Jahrhundertwende gab es mehrere ähnliche  Einrichtungen, wie das große Sanatorium Romanäs oder Furulid. Durch Stan van Baalen und Alexandra Franhuizens Einsatz, wird das historische Erbe auch im 21. Jahrhundert weitergeführt. Dieses ist ein Ort an dem  der königliche Pferdetausch, Essen, Trinken und Pflege zusammenkommen – ein Platz für Zusammenkunft und Erholung.


Bibliografi:

Bergner, Torsten Sommen. Glimtar i backspegeln, Tranås, 2008.

Från Aggas till Öknen. Bygd och boende i gamla Säby, Tranås, 1978.

Historiskt-geografiskt och statistiskt lexikon öfver Sverige, Band 6, Stockholm, 1865.

Kågén, Elis, Tranås med omland, Tranås, 1973.

Kågén, Elis, Från Tranåsbygden. Åren 1780-1930, Tranås, 1975.

Kågén, Elis, Kring Sommens stränder, Tranås, 1978.

Pira, Sigurd,Gamla färdvägar och kultställen i Holaveden. Anteckningar och studier, Tranås, 1923.

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